In Zeit und Ewigkeit

Konzert im „bewegten Raum“ in der Gnadenkiche

Kirchenbänke, die wie im Chaos übereinander getürmt sind. Feuriges Rot, warmes Orange, kaltes Blau, die das Kirchenschiff in eine neue Perspektive rücken. Musik, die ohne jeden Umweg direkt ins Herz geht. Klänge, die befremden. Ein Publikum, das scheinbar ziellos umherschlendert. Das alles und noch viel mehr war das Konzert „In Zeit und Ewigkeit“, das am Samstag und am Sonntag in der Gnadenkirche in Heißen zu hören und zu erleben war.

Die Konfirmanden hatten zur „Toccata und Fuge in d-Moll“ von Johann Sebastian Bach Skulpturen aus den Kirchenbänken geschaffen. Tod, Trauer, Flucht, Zerstörung symbolisierten sie. Ihre Hoffnungen, in einem Jugendgottesdienst auf ein langes weißes Tuch geschrieben, zogen sich als heller Streifen durch die Kirche. Während Kantor Oliver Lindner-Strehlau im Konzert die Toccata spielte, wanderten die Zuhörer durch die Kirche, erschlossen sich die Skulpturen und den Raum.

Ganz neu wurde die Gnadenkirche erfahrbar durch die Lichtinstallation von Dennis Feichtner und Jan Göpelt. Besonders bei den „Wesendonkliedern“ von Richard Wagner, gesungen von Sopranistin Myung-Hee Hyun, wurde daraus ein Lichtspektakel, bei dem man sich fragte, ob das Licht die Musik unterstrich oder umgekehrt die Musik  dazu diente, das Licht in Szene zu setzen. Unaufdringlich, doch unübersehbar, schufen Licht und Farben einen neuen Raum. Der Projektchor „In Zeit und Ewigkeit“ der Heißener Kantorei setzte Akzente mit einer Choralimprovisation über „Komm, süßer Tod“ von Bach und als Sprechchor zur Arvo Pärts Solfeggio.

Das Publikum wurde aktiver Teil dieses Konzertes „im bewegten Raum“. Es erhielt Liebesbriefe mit den Texten zu „An die ferne Geliebte“ von Ludwig van Beethoven, wechselte die Sitzplätze und die Perspektive und erlebte bekannte Musik auf neue, eindringliche Weise. So wurden Raum, Licht und Musik zu einer Einheit, die die Konzertbesucher ebenso wie die Mitwirkenden vom Totensonntag hin führte zum Ewigkeitssonntag.

Bärbel Hildebrand

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